Die Orgel
... das meinte der Chemnitzer Blick im November 2001:

`s orgelt wieder im Gymnasium

Das ist an einer Schule wohl einmalig - eine Orgel in der Aula. Und nun hat unser traditionsreiches Chemnitzer Agricola-Gymnasium sein musisches Kleinod wieder. Die alte Jehmlich Orgel wird nach fast einjähriger Generalüberholungam Freitag neu eingeweiht! Der Einbau des Instrumentes war bereits 1928/29 erfolgt - doch nun war es längst nicht mehr bespielbar. Gefeiert wird das Ereignis mit einem Konzert des Chemnitzer Organisten Wolfgang Schubert. Mehr zur neuen alten Orgel und zum Gymnasium: Seite 3.


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"Agricola": Orgeln in der Aula

Weihe für in einer Schule einmaliges Instrument

Agricola-Gymnasium: Nach Generalüberholung wird die lange unbespielbare Jehmlich-Orgel in der Aula wieder eingeweiht.

(red). Ereignisreiche Zeiten für das traditionsreiche Chemnitzer Agricolagymnasium: Nach knapp einjähriger Generalüberholung wird die zuvor nicht mehr bespielbare romantische Jehmlich-Orgel in der Aula der Schule am Park der Opfer des Faschismus wieder eingeweiht. Übermorgen, am Freitag (23. November) gibt's ein festliches Konzert mit dem Chemnitzer Organisten Wolfgang Schubert. Der Einbau des in einer Schule einmaligen Instruments - der Orgel - erfolgte 1928/29 durch die Dresdner Firma Gebrüder Jehmlich. Ehemalige Pennäler, darunter ein Textilfabrikant, hatten die Orgel ihrer ehemaligen Schule anläßlich deren Neubaus geschenkt - Einweihung 1929...

Technik

Erbauer
Restaurierung
Spieltraktur
Registertraktur
Ladensystem
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Gebrüder Jehmlich, 1929 (opus 435)
Jehmlich Orgelbau Dresden GmbH 2000-2001
elektro-pneumatisch
elektro-pneumatisch
Kegelladen

DISPOSITION
I. HAUPTWERK . C-g3 II. SCHWELLWERK .C-g4
1. Gedackt 16`   7. Konzertflöte 8`
2. Principal 8`   8. Salicional 8`
3. Viola di Gamba 8`   9. Gedackt 8`
4. Octave 4'   10. Aeoline 8`
5. Mixtur II-III   11. Geigenprinzipal 4`
6. Octave 2`   12. Rohrflöte 4`
        13. Sesquialter II
        14. Waldflöte 2`

PEDAL . C-e1 KOPPELN UND SPIELHILFEN
15. Subbaß 16`   Manualkoppel II/I
16. Begleitbaß/
Gedacktbaß
16`   Pedalkoppel I/P, II/P
Ober-Octavkoppel II/I, II/II
17. Violoncello 8`   Druckregister-, Koppel-,
18. Octavbaß 4`   Crescendoausschalter
Freie Vorbereitung für
Crescendo, Tutti,
Mezzoforte, Forte
Crescendoanzeiger
Windanzeiger

GESCHICHTE UND RESTAURIERUNG

orgel
Die 72jährige Orgel des Agricola-Gymnasiums kann nach umfassenden Rekonstruktionsarbeiten endlich wieder mit ihren 1031 Pfeifen erklingen. Erbaut wurde sie im Jahre 1929 durch die Orgelbaufirma Gebrüder Jehmlich. Anfragen zu Erweiterungen und technischen Veränderungen an der Orgel im Jahre 1938, konnten wegen Geldmangel nicht umgesetzt werden. So ist ein wertvolles Instrument dieser Orgelbauepoche in fast originalem Zustand erhalten geblieben.

Während der Kriegszeit wurde die Orgel beschädigt und nur mit notdürftigen Reparaturen war es möglich, sie wieder zu benutzen. Bis in die sechziger Jahre wurde die Orgel für Entlassungs-
feiern und ständige Konzerte bespielt, doch seit 1970 war sie zu keiner Veranstaltung in der Aula zu hören. Da zu DDR-Zeiten an eine Orgelrestaurierung nicht zu denken war, verfiel die Orgel über die Jahre. Seit 1993 befasst sich der Förderverein der Schule damit, Sponsoren und Fördermittel für die Rekonstruktion zu beschaffen. Durch private Initiativen und Spenden ehemaliger Schüler, sowie Fördermittel der Denkmalschutzbehörde, des Regierungspräsidiums Chemnitz und der Rotarier Chemnitz, konnten die Arbeiten von November 2000 bis Oktober 2001 ausgeführt werden.

Die Orgel ist nicht sichtbar in einem separaten Raum über der Bühne angeordnet. Der Klangaustritt erfolgt durch Schallöffnungen in der Decke der Bühne. Bespielt wird das Instrument von einem transportablen Spieltisch aus, der auf die Bühne gefahren werden kann. Während der Restaurierung wurde der Spieltisch und sämtliche Orgelteile auseinandergenommen und überholt. Die elektrische Anlage wurde neu verdrahtet und die pneumatischen Schaltelemente (Membranen) erneuert. Alle Pfeifen wurden entnommen, gereinigt und die Windladen überarbeitet. Die gesamte Ton- und Registertraktur wurde gesäubert, neu justiert und Registerbälge neu beledert. Nach der technischen Montage wurden die Pfeifen neu intoniert und gestimmt; die vorhandene Stimmtonhöhe wurde beibehalten.

Aus der Firmengeschichte der Erbauer

Die Firma Jehmlich Orgelbau Dresden blickt auf eine fast 200jährige Tradition zurück.

 

1808
wurde die Werkstatt von den Brüdern Gotthelf Friedrich, Johann Gotthold und Carl Gottlieb Jehmlich in Neuwernsdorf/ Erzgebirge gegründet, Gotthelf Friedrich und Johann Gotthold arbeiteten vor 1806 als Gesellen bei dem Dresdner Hoforgelbauer Johann Christian Kayser, dessen Onkel über lange Zeit bei dem sächsischen Hoforgelbaumeister Gottfried Silbermann tätig war. Klanglich und technisch tragen die Werke seit der ersten Jehmlich Generation deutliche Züge der Silbermann-Nachfolge.

 

1826
siedelte Johann Gotthold nach Dresden über und wurde 1836 zum Königlich Sächsischen Hoforgelbauer ernannt. In der Folgezeit übernahm er u.a. die Pflege- und Reparaturarbeiten an den großen Silbermann-Orgeln in Dresden und Freiberg.

 

1897
wurde in der dritten Generation ein neues, modern ausgerüstetes Werkstattgebäude auf der Großenhainer Straße in Dresden bezogen, in dem heute bereits die fünfte Orgelbauergeneration tätig ist.

 

1972
erfolgte die Verstaatlichung der Firma. Es entstanden eine Reihe bedeutender Werke, darunter die Jubiläumsorgel opus 1000 für die Konzerthalle "Georg Philipp Telemann" in Magdeburg und das Instrument für das Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Der Export der Orgeln wurde nach Skandinavien und in östliche Länder ausgedehnt.

 

1990
wurde die Firma unter Leitung von Horst Jehmlich reprivatisiert und umfassende Modernisierungen an Gebäuden und Werstattausstattung durchgeführt. Bedeutende Orgelneubauten der vergangenen Jahre erhielten die Marienkirche in Ribnitz-Dammgarten (111/39), die Synagoge in Budapest (IV/64), die Konzerthalle in TokyoSumida (111/66), die Nikolaikirche in Berlin (111/44) und die St. Wolfgangskirche zu Schneeberg (111/56). Neben Neubauten liegt traditionsgemäß eine wesentliche Aufgabe der Firma, mit ihren 25 Mitarbeitern, in der Pflege und Restaurierung wertvoller historischer Orgeln.

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