Konzeption
Konzeption des Georgius-Agricola-Gymnasium Chemnitz zur Weiterentwicklung der gymnasialen Ausbildung unter besonderer Beachtung der Weiterentwicklung des §4-Bildungsganges vor dem Hintergrund der Einführung neuer Lehrpläne für die Schulart Gymnasium im Freistaat Sachsen ab dem Schuljahr 2004/2005

 

1. Vorbemerkungen


Das heutige AGC ist die älteste gymnasiale Bildungseinrichtung der Stadt Chemnitz und knüpft bewusst an die progressiven bürgerlichen Bildungskonzeptionen des deutschen Gymnasiums an. Entstanden aus dem Bedürfnis der Verknüpfung traditioneller humanistischer Bildungsinhalte mit den Erfordernissen der Konsequenzen der Industriegesellschaft wurde mit der Schulform Realgymnasium eine zu der Zeit sehr progressive Schulart, der die Kombination von moderner naturwissenschaftlicher Ausbildung mit solider fremdsprachlicher Kommunikationskompetenz (in alten wie neuen Sprachen) und einem zeitgemäßen philosophisch-gesellschaftswissenschaftlichen Allgemeinwissen, hervorgebracht.
Natürlich hatten Kunst und Literatur hier den angemessen würdigen Platz.

 

2. Fremdsprachenfolge und Profilstruktur am AGC


Die vom RSA Chemnitz für das Haus angeregte Folge der Fremdsprachen wird, da inzwischen akzeptiert, fortgeführt.

1. Fremdsprache: Englisch bzw. vertiefte Ausbildung Englisch (ab Jgst. 5)

2. Fremdsprache: Latein oder Spanisch (ab Jgst. 6)
3. Fremdsprache: Französisch (ab Jgst. 8)

Ergänzende fremdsprachliche Kompetenzerwerbsangebote werden im weiteren Verlauf berührt.
Das AGC wird, aus heutiger Sicht, zwei Profile führen:

  • naturwissenschaftliches Profil
  • vertieft sprachliches Profil (§4-Ausbildung)

3. Zur Weiterentwicklung des §4-Bildungsganges


Information der Schülerklientel, Laufbahnberatung, Aufnahmeverfahren

Obwohl das Projekt "Frühes Fremdsprachenlernen" an ausgewählten Grundschulen nicht fortgesetzt wird, bleibt die Tatsache bestehen, dass Zweitklässler bei Eignung sehr gute Möglichkeiten des früh beginnenden Spracherwerbs besitzen.
Parallel dazu sind viele Schülerinnen und Schüler auch mathematisch veranlagt.
Die neue Strukturierung des gymnasialen Unterrichts in Basisunterricht und Profilausbildung wird den Anforderungen an die vertiefte Allgemeinbildung besser gerecht und bietet so leistungsstarken Schülern die Aussicht auf gute naturwissenschaftliche Bildung und politisch gewollte echte Mehrsprachigkeit. Lernpsychologisch ist das Alter von etwa 8-14 Jahren als optimale Sprachkompetenzaquisitionsphase anzusehen. Die Eltern der Klassen 2 und 3 der Grundschulen im abzudeckenden Bereich werden auf verschiedene Weisen über das curriculare Konzept des AGC informiert.
Dabei wird die Zukunftsorientierung der Ausbildung unterstrichen. Das Aufnahmeverfahren wird durch mittelfristige Laufbahnberatung vorentlastet und eine präzise antizipierte Entwicklungsstruktur unterstützt.

Vorbereitung des bilingualen Bildungsganges in englischer Sprache

In den Jahrgangsstufen 5 und 6 werden wöchentlich 2h zusätzlich Englischunterricht erteilt. Diese Stunden kommen, bezogen auf die Jahrgangsstufe 5, aus dem Bereich Förderunterricht. In der Klasse 6 realisiert sich das Angebot aus dem Bereich Förderunterricht und einer Stundenreduzierung im Fach Sport.
Schwerpunkt der Arbeit ist die Progression des Spracherwerbs und die Aquisition sprachlicher Strukturen, die den stark deskriptiven Charakter des ersten bilingualen Sachfaches präferiert unterstützen.

Elemente des bilingualen Bildungsganges am AGC

Der bilinguale Sachunterricht im Fach Geografie beginnt in Jahrgangsstufe 7 und wird bis zum Abitur angeboten.
Grundlage ist der auf der Basis des jetzt gültigen modifizierten Lehrplanes Geografie für den bilingualen Bildungsgang zu erarbeitende neue modifizierte Lehrplan (nun: Grundlage Lehrplan Gymnasium neu). Diese Gedankenführung schließt natürlich auch die angestrebte Möglichkeit eines (bilingualen) Leistungskurses im Fach Geografie ein.
Für das sprachliche Profil (dritte Fremdsprache) sieht die Stundentafel (Diskussionsstand 19.12.2002) in den Jahrgangsstufen 8-10 drei Wochenstunden vor. Da einzig das sprachliche Profil keine (für die Zukunft aber wesentliche) informatische Bildung im Profilbereich einschließt, werden wir im vertieften Bildungsgang bewusst informatische Bildung anbieten. Selbstverständlich wird diese durch Informatikfachlehrer vermittelt. Grundlage des Unterrichts in diesem Segment ist ausschließlich der jeweilige Inhalt aus dem Profillehrplanpapier.
Die Einführung wird eng mit dem Fachberater Informatik koordiniert. Natürlich bietet der Unterricht in der dritten Fremdsprache Bezugsmöglichkeiten zu allen anderen Profilinhalten ,da die Sprache medial zwischen allen Bereichen (Kunst, Gesellschaft, Sport, Naturwissenschaft und Technik) vermittelt. So werden die Schüler des Bildungsganges die Möglichkeit eines Grundkurses Informatik erhalten und auch den Zugang haben, wenn es vielleicht einmal einen Leistungskurs Informatik geben sollte.
Im Sinne eines hausinternen Ergänzungscurriculums bieten wir den Schülern des vertieften Bildungsganges ein Modul "Französische Literatur" (natürlich in französischer Sprache) an. Ein Wochenstundenumfang von einer Stunde wird hier nicht überschritten.
In der Jahrgangsstufe 9 absolvieren die Vertiefer eine Sprachprofilreise ins Vereinigte Königreich, wo sie binnen zweier Wochen von britischen Projektlehrern betreut werden und natürlich eine Unterbringung in ausgewählten Gastfamilien erhalten. An dieser Stelle sei dringlich auf die Problematik der bislang ersatzlos ausgelaufenen Förderrichtlinie für Mehraufwendungen… aufmerksam gemacht.
In der Jahrgangsstufe 10 beteiligt sich das AGC am GAPP (German American Partnership Program) mit einer Schule in Duluth, Minnesota.
Dieser Austausch führt Schüler beider Profile zusammen.
Schüler des vertieften Bildungsganges haben die Möglichkeit, sich am seit 1991 existierenden Austausch mit unserem französischen Partnerlyzeum in Pontarlier in der Region Besançon zu beteiligen.
Gegenwärtig prüft die Schulkonferenz des Hauses einen Antrag auf Schulpartnerschaft mit einer kubanischen höheren Bildungseinrichtung.
Ab Jahrgangsstufe 9 soll künftig Geschichte als zweites bilinguales Sachfach entwickelt werden. Seit drei Jahren läuft die Vorbereitung in Sachmodulen in den Jahrgangsstufen 8-10.
Mittelfristig werden bilinguale Sachmodule in den Fächern Biologie, Sport und Physik erarbeitet und angeboten. Diese Module sind nicht auf den Vertieferbereich beschränkt.
Die Möglichkeit der schulbezogenen Erhöhung aus dem Ergänzungsbereich im Sinne des Grundsatzpapiers wird in den Klassenstufen 8 bis 10 genutzt.

Gymnasiale Oberstufe, abschlussbezogene Ausbildungen

Schwerpunkt ist die Fortführung der bilingualen Sachunterrichtslinien in den beiden genannten Fächern.
In der 10. Jahrgangsstufe werden sich die Schüler des vertieften Bildungsganges entscheiden zwischen folgenden Möglichkeiten:

    - Wahl dreier Leistungskurse (jeweils gültige OAVO)
    - Wahl zweier Leistungskurse und einer einzubringenden BeLl

Im hauscurricularen Ergänzungsangebot des AGC werden folgende Optionen zu finden sein:

  • Englisch: FCE, CAE, CPE
  • Spanisch: DELE
  • Französisch DELF, DALF
  • WGk "Kommunikation- Sprache-Denken"
  • WGk "Goethe- Byron/Faust, Manfred, Prometheus..."
  • WGk "Trans Job" (in der mittelfristigen Überarbeitungsphase für das Haus)
  • WGk Astronomie
  • Sprachzertifikatsausbildungen: Erwerb des Hebraicums (ab Jgst. 10: in Zusammenarbeit mit Dr. Wilhelm-Andre-Gymnasium, KSRG C)
  • evtl. VHS- zertifizierte Sprach- AG (etwa Russisch, …)

Konsequenzen, "offene Fragen"

Zum 19.4.04 wird ein Dokument zum Mehrbedarf in der Personalausstattung vor dem Hintergrund der komprimierten "Mehraufwendungen" im Bereich Arbeitszeit der Lehrkräfte erstellt.
Die Modalitäten der Erarbeitungen der modifizierten Lehrpläne (Englisch, Geografie, Geschichte) haben Klärungsbedarf. Die gegenwärtig noch gültigen modifizierten Dokumente wurden in guter Zusammenarbeit zwischen CI und AGC erarbeitet und haben sich in der Unterrichtspraxis der letzten Jahre bewährt.
Bei der Entwicklung der hausinternen Personalstruktur müssen diese Anforderungen höchste Priorität haben.
Der weitere Einsatz von Fremdsprachenassistenten, nach Möglichkeit neben Muttersprachlern Englisch auch Spanisch und Französisch, bedarf der Berücksichtigung.
Die dezidierte Bekundung des politischen Willens seitens Dienst -und Fachaufsichtsbehörden gegenüber dem kommunalen Schulträger stärkt das öffentliche Bewusstsein für den Beitrag des AGC für die Zukunftsentwicklung unserer sächsischen Heimat.
Die Lösung des noch anstehenden Problems der "unvollendeten Sanierung" des denkmalgeschützten Gebäudes (freier Bauhausstil, 1929) bedarf dringend der Unterstützung auf allen Ebenen.
Mit Freude sehen wir die Maßnahmen baulicher Art für die §4- Ausbildung (hier: mathematisch-naturwissenschaftlich, sportlich) in der Stadt Chemnitz.
Wir verbinden das mit der Zuversicht, dass angesichts der wachsenden Bedeutung einer "gelebten Mehrsprachigkeit" im sich einigenden Europa, das bald von den Azoren im Atlantik bis nach Estland reichen wird, das vertieft sprachliche Profil sich erhöhter bildungspolitischer Aufmerksamkeit sicher sein kann.

StD E. Hänel
(Schulleiter)