1. Vorbemerkungen
Das heutige AGC ist die älteste gymnasiale Bildungseinrichtung der
Stadt Chemnitz und knüpft bewusst an die progressiven bürgerlichen
Bildungskonzeptionen des deutschen Gymnasiums an. Entstanden aus dem
Bedürfnis der Verknüpfung traditioneller humanistischer Bildungsinhalte
mit den Erfordernissen der Konsequenzen der Industriegesellschaft wurde
mit der Schulform Realgymnasium eine zu der Zeit sehr progressive
Schulart, der die Kombination von moderner naturwissenschaftlicher
Ausbildung mit solider fremdsprachlicher Kommunikationskompetenz (in
alten wie neuen Sprachen) und einem zeitgemäßen
philosophisch-gesellschaftswissenschaftlichen Allgemeinwissen,
hervorgebracht.
Natürlich hatten Kunst und Literatur hier den angemessen würdigen Platz.
2. Fremdsprachenfolge und Profilstruktur am AGC
Die vom RSA Chemnitz für das Haus angeregte Folge der Fremdsprachen wird, da inzwischen akzeptiert, fortgeführt.
1. Fremdsprache: Englisch bzw. vertiefte Ausbildung Englisch (ab Jgst. 5)
2. Fremdsprache: Latein oder Spanisch (ab Jgst. 6)
3. Fremdsprache: Französisch (ab Jgst. 8)
Ergänzende fremdsprachliche Kompetenzerwerbsangebote werden im weiteren Verlauf berührt.
Das AGC wird, aus heutiger Sicht, zwei Profile führen:
- naturwissenschaftliches Profil
- vertieft sprachliches Profil (§4-Ausbildung)
3. Zur Weiterentwicklung des §4-Bildungsganges
Information der Schülerklientel, Laufbahnberatung, Aufnahmeverfahren
Obwohl das Projekt "Frühes Fremdsprachenlernen" an ausgewählten
Grundschulen nicht fortgesetzt wird, bleibt die Tatsache bestehen, dass
Zweitklässler bei Eignung sehr gute Möglichkeiten des früh beginnenden
Spracherwerbs besitzen.
Parallel dazu sind viele Schülerinnen und Schüler auch mathematisch veranlagt.
Die neue Strukturierung des gymnasialen Unterrichts in Basisunterricht
und Profilausbildung wird den Anforderungen an die vertiefte
Allgemeinbildung besser gerecht und bietet so leistungsstarken Schülern die Aussicht auf gute naturwissenschaftliche Bildung und politisch gewollte echte Mehrsprachigkeit. Lernpsychologisch ist das Alter von etwa 8-14 Jahren als optimale Sprachkompetenzaquisitionsphase
anzusehen. Die Eltern der Klassen 2 und 3 der Grundschulen im
abzudeckenden Bereich werden auf verschiedene Weisen über das
curriculare Konzept des AGC informiert.
Dabei wird die Zukunftsorientierung der Ausbildung unterstrichen. Das
Aufnahmeverfahren wird durch mittelfristige Laufbahnberatung
vorentlastet und eine präzise antizipierte Entwicklungsstruktur
unterstützt.
Vorbereitung des bilingualen Bildungsganges in englischer Sprache
In den Jahrgangsstufen 5 und 6 werden wöchentlich 2h zusätzlich
Englischunterricht erteilt. Diese Stunden kommen, bezogen auf die
Jahrgangsstufe 5, aus dem Bereich Förderunterricht. In der Klasse 6
realisiert sich das Angebot aus dem Bereich Förderunterricht und einer
Stundenreduzierung im Fach Sport.
Schwerpunkt der Arbeit ist die Progression des Spracherwerbs und die
Aquisition sprachlicher Strukturen, die den stark deskriptiven
Charakter des ersten bilingualen Sachfaches präferiert unterstützen.
Elemente des bilingualen Bildungsganges am AGC
Der bilinguale Sachunterricht im Fach Geografie beginnt in Jahrgangsstufe 7 und wird bis zum Abitur angeboten.
Grundlage ist der auf der Basis des jetzt gültigen modifizierten
Lehrplanes Geografie für den bilingualen Bildungsgang zu erarbeitende
neue modifizierte Lehrplan (nun: Grundlage Lehrplan Gymnasium neu).
Diese Gedankenführung schließt natürlich auch die angestrebte
Möglichkeit eines (bilingualen) Leistungskurses im Fach Geografie ein.
Für das sprachliche Profil (dritte Fremdsprache) sieht die Stundentafel (Diskussionsstand 19.12.2002) in den Jahrgangsstufen 8-10 drei Wochenstunden vor.
Da einzig das sprachliche Profil keine (für die Zukunft aber wesentliche) informatische Bildung im Profilbereich einschließt, werden wir im vertieften Bildungsgang bewusst informatische Bildung anbieten.
Selbstverständlich wird diese durch Informatikfachlehrer vermittelt.
Grundlage des Unterrichts in diesem Segment ist ausschließlich der
jeweilige Inhalt aus dem Profillehrplanpapier.
Die Einführung wird eng mit dem Fachberater Informatik koordiniert.
Natürlich bietet der Unterricht in der dritten Fremdsprache
Bezugsmöglichkeiten zu allen anderen Profilinhalten ,da die Sprache
medial zwischen allen Bereichen (Kunst, Gesellschaft, Sport,
Naturwissenschaft und Technik) vermittelt. So werden die Schüler des
Bildungsganges die Möglichkeit eines Grundkurses Informatik erhalten
und auch den Zugang haben, wenn es vielleicht einmal einen
Leistungskurs Informatik geben sollte.
Im Sinne eines hausinternen Ergänzungscurriculums bieten wir den
Schülern des vertieften Bildungsganges ein Modul "Französische
Literatur" (natürlich in französischer Sprache) an. Ein
Wochenstundenumfang von einer Stunde wird hier nicht überschritten.
In der Jahrgangsstufe 9 absolvieren die Vertiefer eine
Sprachprofilreise ins Vereinigte Königreich, wo sie binnen zweier
Wochen von britischen Projektlehrern betreut werden und natürlich eine
Unterbringung in ausgewählten Gastfamilien erhalten.
An dieser Stelle sei dringlich auf die Problematik der bislang
ersatzlos ausgelaufenen Förderrichtlinie für Mehraufwendungen… aufmerksam gemacht.
In der Jahrgangsstufe 10 beteiligt sich das AGC am GAPP (German
American Partnership Program) mit einer Schule in Duluth, Minnesota.
Dieser Austausch führt Schüler beider Profile zusammen.
Schüler des vertieften Bildungsganges haben die Möglichkeit, sich am
seit 1991 existierenden Austausch mit unserem französischen
Partnerlyzeum in Pontarlier in der Region Besançon zu beteiligen.
Gegenwärtig prüft die Schulkonferenz des Hauses einen Antrag auf
Schulpartnerschaft mit einer kubanischen höheren Bildungseinrichtung.
Ab Jahrgangsstufe 9 soll künftig Geschichte als zweites bilinguales
Sachfach entwickelt werden. Seit drei Jahren läuft die Vorbereitung in
Sachmodulen in den Jahrgangsstufen 8-10.
Mittelfristig werden bilinguale Sachmodule in den Fächern Biologie,
Sport und Physik erarbeitet und angeboten. Diese Module sind nicht auf
den Vertieferbereich beschränkt.
Die Möglichkeit der schulbezogenen Erhöhung aus dem Ergänzungsbereich
im Sinne des Grundsatzpapiers wird in den Klassenstufen 8 bis 10
genutzt.
Gymnasiale Oberstufe, abschlussbezogene Ausbildungen
Schwerpunkt ist die Fortführung der bilingualen Sachunterrichtslinien in den beiden genannten Fächern.
In der 10. Jahrgangsstufe werden sich die Schüler des vertieften Bildungsganges entscheiden zwischen folgenden Möglichkeiten:
-
- Wahl dreier Leistungskurse (jeweils gültige OAVO)
- Wahl zweier Leistungskurse und einer einzubringenden BeLl
Im hauscurricularen Ergänzungsangebot des AGC werden folgende Optionen zu finden sein:
- Englisch: FCE, CAE, CPE
- Spanisch: DELE
- Französisch DELF, DALF
- WGk "Kommunikation- Sprache-Denken"
- WGk "Goethe- Byron/Faust, Manfred, Prometheus..."
- WGk "Trans Job" (in der mittelfristigen Überarbeitungsphase für das Haus)
- WGk Astronomie
- Sprachzertifikatsausbildungen: Erwerb des Hebraicums (ab Jgst. 10: in Zusammenarbeit mit Dr. Wilhelm-Andre-Gymnasium, KSRG C)
- evtl. VHS- zertifizierte Sprach- AG (etwa Russisch, …)
Konsequenzen, "offene Fragen"
Zum 19.4.04 wird ein Dokument zum Mehrbedarf in der Personalausstattung
vor dem Hintergrund der komprimierten "Mehraufwendungen" im Bereich
Arbeitszeit der Lehrkräfte erstellt.
Die Modalitäten der Erarbeitungen der modifizierten Lehrpläne
(Englisch, Geografie, Geschichte) haben Klärungsbedarf. Die gegenwärtig
noch gültigen modifizierten Dokumente wurden in guter Zusammenarbeit
zwischen CI und AGC erarbeitet und haben sich in der Unterrichtspraxis
der letzten Jahre bewährt.
Bei der Entwicklung der hausinternen Personalstruktur müssen diese Anforderungen höchste Priorität haben.
Der weitere Einsatz von Fremdsprachenassistenten, nach Möglichkeit
neben Muttersprachlern Englisch auch Spanisch und Französisch, bedarf
der Berücksichtigung.
Die dezidierte Bekundung des politischen Willens seitens Dienst -und
Fachaufsichtsbehörden gegenüber dem kommunalen Schulträger stärkt das
öffentliche Bewusstsein für den Beitrag des AGC für die
Zukunftsentwicklung unserer sächsischen Heimat.
Die Lösung des noch anstehenden Problems der "unvollendeten Sanierung"
des denkmalgeschützten Gebäudes (freier Bauhausstil, 1929) bedarf
dringend der Unterstützung auf allen Ebenen.
Mit Freude sehen wir die Maßnahmen baulicher Art für die §4- Ausbildung
(hier: mathematisch-naturwissenschaftlich, sportlich) in der Stadt
Chemnitz.
Wir verbinden das mit der Zuversicht, dass angesichts der wachsenden
Bedeutung einer "gelebten Mehrsprachigkeit" im sich einigenden Europa,
das bald von den Azoren im Atlantik bis nach Estland reichen wird, das
vertieft sprachliche Profil
sich erhöhter bildungspolitischer Aufmerksamkeit sicher sein kann.
StD E. Hänel
(Schulleiter)
